Juni 24, 2021

Bedroht und ausgeraubt in Südafrika

Ja, dann ist auch mir das mal passiert. Und dabei wollte ich nur mal kurz zur Post gehen.

Auf dem Rückweg zu meinem Gästehaus, keine 800 Meter entfernt, hält ein weißer Kleinwagen vor mir auf dem Gehweg. Im Auto sitzen zwei kräftige Jungs, einer zeigt mir seinen Ausweis: SAPS – South African Police Service. In der Gegend hätte es einen Schießerei mit tödlichem Ausgang gegeben, man hat den Täter als Weißen mit kariertem Shirt beschrieben. So wie ich gerade eins trage. Man zeigt mir die Fotos, will meine Personalien kontrollieren. Fragt mich, ob ich Waffen habe, kontrolliert meinen Rucksack. Alles gut.

Ob ich Geld dabei hätte? Ja, ca. 600,- Rand (ca. € 35,-). Alles klar, soll ich gut aufbewahren. Dann will man wissen ob ich heute schon jemanden angerufen habe und meine Anrufliste kontrollieren. Komische Frage, macht man dann doch nicht. Ganz nebenbei erzählt man mir, das wenn ich versuche abzuhauen, man auf mich schießen würde. Da wird einem schon mal anders.

Während der eine mich zuquatscht, ist der andere am Telefon, ich höre auch meinen Namen, verstehe aber auch nur die Hälfte. Auf einmal erzählt man mir, man vermutet Betrug bei meinem Bankkonto und meiner Bankkarte. Ich soll Ihnen die Visakarte zur Überprüfung geben. Als ich mich weigere, versucht man mir ins Gesicht zu schlagen, trifft aber nur die Brille. Die übrigens jetzt kaputt ist. Man entschuldigt sich höflich, man wäre aufgrund der Schießerei etwas unter Stress. Mir kommt das dennoch etwas komisch vor. Aber wenn Du ständig erzählt bekommst, das man „deine Flucht“ mit Waffengewalt verhindern wird und man Dich ins Gefängnis bringt, wenn Du nicht kooperierst – naja, das ist eine stressige Situation. Ich möchte halt gerne mein Leben und mein gutes Aussehen behalten.

Also, Kreditkarte ausgehändigt. Wird kontrolliert und mir zurück gegeben. Dann soll ich auf einen Zettel schreiben, das man mich kontrolliert habe und das sowohl die Personalien sowie mein südafrikanisches Bankkonto okay sind. Und den Namen meiner Bank, sowie die PIN-Nummer, man muss anhand der Nummer die Richtigkeit meiner Angaben kontrollieren. Ja, es kommt mir komisch vor, aber unter der Androhung von Gewalt überlegt man sich das zweimal. Sie würden die Angaben sofort kontrollieren, wenn ich lüge müssen sie mich verhaften. Also schreibe ich doch mal lieber die korrekte Nummer drauf. Dann ist man wieder am Telefon und erklärt mir dann, das alles okay ist. Der Zettel wird von dem guten Mann unterschrieben. Dann möchte er nochmal meine Kreditkarte haben, nimmt diese und packt sie mit dem Zettel in einen Briefumschlag. Vor meinen Augen. Den Umschlag soll ich schnell einstecken.

Und während ich noch halb blind mein Brillenglas suche, verschwinden die beiden auf einmal in Ihrem Wagen. Drei Minuten später bin ich im Gästehaus, öffne den Umschlag … und habe zwei Smartshopper Karten (Rabattkarten) vom Pick‘n‘Pay Supermarkt in der Hand sowie einen leeren Zettel. Haben die Jungs mich schön gelinkt. Den Zaubertrick haben die glaube ich lange geübt.

Und während ich sofort am Telefon meine Bank informiere, sehe ich in der App, das man es geschafft hat 3.000,- Rand von meinem Konto abzuheben. Ist Mist, aber zu verkraften. Mein Leben und meine Gesundheit sind um einiges mehr wert. Klar kam mir zwischendurch der Gedanke, das hier etwas nicht stimmt. Aber ob das nun Fake Polizisten waren oder echte Cops, die sich in der Freizeit etwas dazuverdienen wollen, ob man nun denkt „Mensch, da hättest Du doch was merken müssen“, in der Situation realisierst Du zwar, das etwas komisch ist, bist aber viel zu gestresst um zu protestieren oder irgendwas zu tun. Du willst nur nicht in den Knast und auch nicht erschossen werden.

Eine neue Visa Karte ist schnell organisiert, die Ersatzbrille habe ich eh dabei. Anzeige bei der Polizei ist sinnlos, der Fall ist bereits bekannt und wird verfolgt. Leider eine Erfahrung, die ich nicht gebraucht hätte. Darüberhinaus auch eine Erfahrung, die demnächst meine Alarmglocken noch eher zum Klingeln bringen. Ich werde wohl erstmal einige Wochen mit dem Mißtrauen gegen jeden der mich anspricht verbringen. Schade Südafrika, aber leider ist dies eine Erfahrung die ich erst einmal mit auf die weitere Reise nehme.

2 Gedanken zu “Bedroht und ausgeraubt in Südafrika

  1. hallo, es ging uns ähnlich in stellenbosch, uns wurde auch mit tricks die kreditkarte geklaut und die pin nummer und sfr. 5500.– waren innerhalb von 10 mintuen weg. haben gelernt ; nie allein zu einem bankomat gehen, nur an bankomats gehen die jedermann sieht. laut schreien wenn es leute drum herum hat.
    wenn es geht, sich in keine gespräche verwickeln lassen auf parkplätzen, zb man müsse parkgebühren bezahlen, wo ? dort wo der bankmat sei, und dort lauert schon der nächste, nämlich der, der einem mit einem trick die karte stiehlt und man es nicht merkt. im glauben die karte sei im bankomat gibt man den pin ein, DER ERSCHEINT DANN AUF DEM DISPLAY , weil der andere eine taste gedrückt hat ohne dass man das bemerkt hat. zugleich war ich plötzlich umzingelt von 5 männer, alle standen ganz nahe und es bedrohend…………..

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