Normalerweise vermeide ich große Städte. Oder habe es bislang getan. Vor allem aufgrund der Covid-Pandemie wollte ich Menschenmassen meiden. Zudem sind die meisten afrikanischen Städte einfach nicht schön. Es sind Ungetüme aus Lärm und Müll, meist heruntergekommen, dreckig, sie versinken im Verkehrschaos. Ausnahmen bestätigen die Regel, so zum Beispiel meine große Liebe: Kapstadt – die Mother City. Und jetzt geben wir mal Kigali, der Hauptstadt Ruandas ein Chance …

Kigali hat so knapp über eine Millionen Einwohner. Das ist schon mal eine Hausnummer. Es ist die Stadt der hundert Hügel. Immer wieder geht es hoch und runter in die verschiedenen Stadtteile. Überraschenderweise ist der Verkehr relativ entspannt – weil Sonntag ist, wie ich später feststelle. In den nächsten Tagen werde ich einiges Besseren belehrt.

Zu Besuch

In Kigali sind Christine und ich von Steffi Metz eingeladen, ein paar Tage bei Ihr zu verbringen. Steffi ist während des Corona Lockdowns in Ruanda „hängengeblieben“ und hat in Kigali mittlerweile ein Business als „International Cooking Trainer“ aufgebaut. Wer mehr wissen möchte, kann gerne mal auf der Webseite https://steffi-metz.com vorbeischauen … es lohnt sich.

Der Landy mag nicht mehr

Die erste Nacht verbringen wir im Mambo Club Backpackers. Als wir in Kigali ankommen, fängt es an in Strömen zu regnen. Und meine Batterie ist am Ende, die Lichtmaschine hat irgendeinen Defekt und lädt die Batterie nicht mehr. Also müssen wir in Kigali zweimal anhalten, damit Christine`s Hilux meine Batterie etwas laden kann. Quasi mit letzter Kraft rolle ich dann auf den Parkplatz des Mambo Club. Die Batterie lade ich über Nacht, es soll eh für Service und kleine Reparaturen in die „Garage Weikl“ gehen, die nicht weit entfernt ist.

Am nächsten Morgen wird die Batterie wieder verbaut, der V8 startet wie gewohnt … und bewegt sich doch keinen Meter! Getriebeschaden? Geländeuntersetzung? Bremsen festgerostet? Keine Ahnung, aber irgendwie sowas muss es sein. Und das ist M-I-S-T!!! Armin von der Werkstatt kommt vorbei, er stellt fest, das sich die Kurbelwelle null bewegt. Also Abschlepper rufen, dann doch nochmal schauen, Schrauben an irgendeinem Gehäuse etwas lösen, Abschlepper abbestellen, der Landy fährt wieder. Im Ergebnis war irgendwas an der Kurbelwelle massiv verdreckt und über die letzten 20 Jahre festgerostet. Ölwechsel, Schweißarbeiten, die Lichtmaschine wird repariert, mein Wassertank für die Scheibenwaschanlage wieder befestigt. Insgesamt einen Tag in der Werkstatt. Kostenfaktor: € 130,- … da bin ich sehr entspannt.

Multikulturelle afrikanisch

Zurück zu Kigali. Die Stadt hat ein bisschen von Allem. Ein Mix aus europäisch und afrikanisch würde ich sagen. Typisch afrikanische Märkte und Stadtteile, also chaotisch, laut, Menschenmassen überall. Ich könnte das mehr genießen, wenn nicht ständig fünf Einheimische um einen herum wären, die Dich vollquatschen, alle möglichen Dienste anbieten und Dir nach einiger Zeit ziemlich auf den Keks gehen. Aber ich verstehe, das jeder eben ein bisschen Geld verdienen will und entspanne mich in solchen Situationen. Meistens.

Der moderne Teil Kigalis hat Einkaufszentren, tolle Bars und Restaurants, alles ist hochglanzpoliert. Abends feiert man im Club, trägt schicke Klamotten. Man spricht Englisch und Französisch, ist weltoffen, aufgeschlossen. Tut gut nach Monaten auf Reise mal wieder etwas „normales“ Leben zu haben.

Sightseeing

Sehenswürdigkeiten? Ein paar. Es gibt das Kandt Museum; Kandt war der erster Deutsche in Kigali. Nichts besonderes meines Erachtens nach, aber nett. Und natürlich gibt es ein Genozide Museum. Ich habe es nicht besucht, aber meine Reisepartnerin Christine war sehr beeindruckt. Der Eintritt ist kostenfrei, der Audioguide kostet allerdings 15,- USD. Der Kimironko Market ist einen Besuch wert, wenn man in das Gewirr lokaler Marktstände eintauchen will. Hier gibt es fast alles von Foodständen über Klamotten, Souvenirs, Elektronik, … wer es schafft, mehr als 30 Sekunden nicht angesprochen zu werden, dem spendiere ich ein luxuriöses Abendessen in Kigali. Es ist die Hölle, aber ich mag das.

Gegensätze

In kaum einer andere Großstadt habe ich so eine gute Verkehrsinfrastruktur vorgefunden. Und in kaum einer andere Großstadt habe ich so katastrophale Nebenstraßen gesehen. Wenn man die Pisten überhaupt noch Straße nennen kann. Ein krasser Gegensatz, aber die Stadt entwickelt sich schnell und es wird ständig ausgebaut und verbessert. Auch hier in Kigali findet man keinen Müll auf den Straßen, selbst in ärmlichen Gegenden ist alles sauber. Man hat ein Umweltbewusstsein entwickelt, was allen anderen Ländern, die ich bereist habe, komplett fremd ist. Einmal im Monat gibt es zudem einen „Community Day“ an dem jeder etwas für die Gemeinschaft tut: Eine Schule streichen, Müll sammeln, öffentliche Plätze pflegen. Finde ich super!

Kigali ist einen Besuch wert. Es ist nicht London oder New York, aber schön. Man muss sich halt ein bißchen auf die Stadt einlassen. Doch alles endet und es muss nach fünf Tagen weitergehen. Das Visa läuft so langsam aus und ich möchte nicht zur Grenze hetzen. Knapp eine Woche verbleibt mir noch in Ruanda und ich hoffe noch ein paar schöne Plätze zu entdecken, bevor es weiter geht in ein altbekanntes und doch wieder neu zu entdeckendes Land …

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