Ich kenn da mal ‘ne Abkürzung …

Ja, mit „Ich kenn da mal ‘ne Abkürzung …“ fange die meisten Abenteuer oder zumindest die besten Erlebnisse an. Und so ging es gemütlich morgens um 9.00 Uhr vom Lakeview Camp am Kariba See den See entlang nach Norden zum nächsten Camp. Geplante Fahrzeit ca. 5-6 Stunden.

Gehen wir es an

Bei Sinazeze geht es rechts ab auf die D499. Für uns heißt das erstmal rund 90 Kilometer etwas holperiger Dirtroad fahren, geplante Fahrzeit ca. 2,5 Stunden. Es ist dann jedoch schlimmer als gedacht, so dass mehr als 40 km/h nicht drin sind. Auf fast halber Strecke haben wir einen schönen Blick ins Tal und den Fluss, der allerdings wenig Wasser führt. Als wir rasten kommt uns ein Auto entgegen, ein holländisch-nigerianisches Pärchen wie sich herausstellt. Die beiden sind vor uns vom Camp losgefahren und wollen nun zurück. Eine Brücke wäre unpassierbar und es lägen riesige Steine im Fluss. Ist nur fünf Minuten entfernt, da schauen wir uns das erstmal an bevor wir in Tränen ausbrechen und zurückfahren. Die beiden kommen mit.

Die Brücke ist weg?

Was uns erwartet ist dann alles andere als das Armaggedon eingestürzter Brücken. Die Betondurchfahrt ist ein wenig weggespült und die „riesigen“ Felsen sind als Art Rampe aufgeschüttet. Alles kein Problem für unsere Allrad-Boliden, für den kleinen Mazda der beiden aber etwas angsteinflössend. Kein hochgelegtes Fahrwerk, keine Geländeuntersetzung, keine Differenzialsperre und vor Allem: Ganz normale Reifen für die Straße. Wir hingegen fahren dicke All-Terrains mit entsprechenden Profil. Aber, es sieht auch für unseren neuen Freund machbar aus und wir lotsen den Mazda problemlos ans andere Ufer. Sicherheitshalber nehmen Joël und ich „den Kleinen“ in die Mitte, damit wir im Notfall von zwei Seiten Rettungsmaßnahmen einleiten können. Die nächsten 40 Kilometer entpuppen sich als leichte Offroad-Piste inklusive sandiger Passagen, Rock-Climbing und Cross-Axle-Situation. Leicht für unsere Geländewagen. Aber unsere holländische Kollegin chauffiert den Mazda mit Bravour über jedes Hindernis, ohne Aufsetzen oder stecken bleiben. Respekt!

Begegnungen

Auf der Strecke passieren wir immer wieder einzelne Lehmhütten und kleine Dörfer. Die Menschen stehen an der Straße, schauen interessiert. Kinder winken und rufen, lachen, haben strahlende Gesichter. Wir sind die Attraktion. Klar, als Tourist muss man schon eine Macke haben, um diese Straße zu fahren, da sieht man Autos wie unsere eher selten. Es kommt mir ein Gedanke: Gerne hätte ich angehalten, mit den Menschen gesprochen, vielleicht übernachtet und gemeinsam am Lagerfeuer gesessen. Das Leben, was diese Menschen hier führen ist karg und von Armut geprägt. Vielleicht eher ein Überleben, den ein Leben, kommt mir in den Sinn. Und doch ist in den Gesichtern kein Neid, keine Missgunst oder gar Hass auf uns „reiche“ Weiße, auf uns “Muzungus”. Es ist viel mehr die Freunde uns in Ihrem Land willkommen zu heißen. Niemand bettelt, niemand will Geld haben. Es ist schön und macht mich glücklich in diesem Augenbkick.

Asphalt, geliebter Asphalt

Leider müssen wir weiter, den wir sind jetzt schon weit außerhalb unseres Zeitplanes. Nach ca. 107 Kilometern und fast sieben (!!!) Stunden Fahrzeit sehen wir wieder eine Asphaltstraße. Ich kann jetzt nachfühlen, wie es den Israeliten ging, als sie das „gelobte Land“ betreten haben. Unser kleiner Mazda samt Insassen hat noch einen weiteren Weg und will sich schonmal gerne auf die Reise machen. Beziehungsweise würde sich gerne auf die Reise machen. Aber: Kein Benzin mehr! Die beiden sind echt hervorragend vorbereitet. Also noch schnell einen meiner Benzinkanister vom Dach geholt und 20 Liter umgefüllt. Dann verabschieden wir uns und die beiden fahren los.

Wieder “Erste Hilfe”Ich kenn da mal ‘ne Abkürzung …

Joël und ich machen noch kurz Routenplanung, informieren das Camp , das wir ca. gegen 18.30h eintreffen. Dann geht es auch für uns weiter. Es sind 100 Kilometer Teerstraße und dann noch ein bisschen Gravelroad. Nach ca. 50 Kilometer meldet sich Joël über das Funkgerät. „Oh nein, siehst Du das vor Dir?“. Ich schaue, ein silbernes Auto mit offener Motorhaube steht auf der Straße. Ich schau nochmal und … hurra, es ist unser Mazda. Also wieder anhalten, fragen was los ist. Der Motor ist ausgegangen und springt nicht mehr an. Als wir die Offroad-Strecke verlassen haben ist er schon mal stehen geblieben, wahrscheinlich Überhitzung. Joël checkt das Öl, ich das Kühlwasser, beides okay. Zündung gleich Null, nicht mal ein Klacken. Also Batterie platt. Wir geben Starthilfe, der Wagen springt an, die Reise kann weitergehen.

Nachts fahren ist Mist

So langsam wird es dunkel und als wir an einer möglichen Abzweigung zum Camp stehen ist es stockdunkel. 30 Kilometer Piste oder 120 Kilometer Teerstraße ist nun die Frage. Wir entscheiden uns für die Piste. Ich werde die Spotlights und die LED Lichtleiste auf dem Dach an. Es ist 19.15h. Wir fahren los. Das die Strecke mies wird ahnen wir schon nach wenigen Minuten. Aber 30 Kilometer sind durchaus in 90 Minuten zu schaffen auch bei schlechter Piste. Wir brauchen letztendlich fast drei Stunden und sind um 22.00h im Camp. Wir verfahren uns zweimal in einem Dorf, einmal im Flussbett, umfahren umgestürzte Bäume, verpassen mehrfach die Piste und finden sie doch wieder. Zweimal ist die Straße in der Mitte komplett weggespült, einmal reingerutscht wäre es das für heute gewesen.

Am Camp Ich kenn da mal ‘ne Abkürzung

Dann die Zufahrt zum Camp, wir sehen Scheinwerfer, ein lautes Hupen in der Nacht ertönt. Zwei Jungs aus dem Camp, man erwartet uns, hat sich bereits Sorgen gemacht und ist froh das wir angekommen sind. Wir sind auch froh. Was ein Abenteuer. Aber geiles Teamwork und letztendlich ein tolle Erfahrung, die keiner von uns missen möchte. Wir sitzen noch lange am Lagerfeuer, genießen ein Bier, quatschen. Was für ein Tag … Ich kenn da mal ‘ne Abkürzung … jaja …

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