Geschichten, die ich nicht erzählen wollte

Ja, so ist das! Eigentlich sollte es nur 60-70 Kilometer am Lake Kivu entlang nach Süden gehen. In Gisenyi begeben wir uns auf eine herrliche, neue und gut ausgebaute Teerstraße und cruisen nach Süden. Doch irgendwie ist uns der Overlander-Gott nicht wohl gesinnt. Und das sind sie dann: Geschichten, die ich nicht erzählen wollte.

Onroad – Offroad

Navigationssysteme sind ja völlig überbewertet. Wir folgen einfach der Teerstraße … und stehen auf einmal vor dem Tor einer Fabrik. Abzweigung verpasst? Scheinbar. Umdrehen, dann rechts abbiegen – Mist, kein Asphalt mehr. Doppelter Mist: Keine Straße mehr. Das was mal eine Erdstraße (Dirtroad) war, ist auf 200 Meter oder so vom Regen der letzten Tage weggespült. Es sieht ziemlich scheisse aus.

Ich sage „Nicht passierbar“, Christine im Toyota Hilux hinter mir sagt „Wenn Du fährst, fahre ich auch“. Gut, wenn einer steckenbleibt, kann der andere Ihn rausziehen. Ein paar Einheimische werfen noch Steine in die tiefen Löcher und den Matsch am linken Rand; am rechten Rand geht es bis zu 80 Zentimeter runter, die Stellen also meiden. Geländegang (Low Range) rein, die Differenzialsperre aktiviert, los geht’s. Nach wenigen Metern stecke ich fest, zu wenig Schwung. Leicht zurücksetzen, vorsichtig mehr Gas geben – nicht zu viel, sonst rutscht man weg in eine der abgrundtiefen Spurrillen. Im dritten Anlauf klappt es. Kurze Instruktion per Walkie-Talkie an Christine und der Hilux pflügt durch das Hindernis wie eine Offroad Profi.

Am See entlang

Die nächsten 40-50 Kilometer ist die Straße felsig, teils extrem steil. Also langsam und bedächtig fahren. Der Ausblick auf den See und kleine Buchten ist dafür atemberaubend schön. Wir stoppen an einem „Aussichtspunkt“, sofort sind wir von Einheimischen umringt. Ich frage eine Frau mit Baby, ob ich ein Foto machen darf. Nein, nur gegen Geld. Ich zücke trotzdem die Kamera, sie läuft weg, als hätte sie Angst vor der Kamera. Ja, mit Knipsi-Knipsi kann man den Einheimischen wohl die Seele rauben. Man glaubt hier ja auch an Dschinnis und Wassergeister im See. Wir lachen darüber, für die Menschen hier ist es Realität.

Letztendlich eine schöne dreistündige Fahrt bis zum Cyimbiri Basecamp an, eines der vielen Camps auf dem Nile-Congo-Trail für Wanderer und Fahrradfahrer. Das Gästehaus ist ziemlich runtergekommen, aber dahinter ist ein toller Garten am Strand und gepflegter Rasen. Letzteres wird sich in wenigen Minuten ändern …

Leichte Hindernisse

Hindernis Nummer 1: Ein überdachter Weg, der von Metallpfosten gestützt wird. Der Abstand der Pfosten ist circa einen halben Fuß breiter als mein Landrover. Platz nach oben … vielleicht fünf Zentimeter. Christine und Jean, der Manager, dirigieren mich durch, es passt knapp. Und sogar die Pflanzen am Rand verschwinden unter dem Auto und bleiben am Leben. Auch das wird sich in wenigen Minuten ändern …

Jetzt müssen wir den Hilux da durch bekommen. Insgesamt ist er etwas schmaler und wesentlich niedriger, sollte also kein Thema sein. Bis dann die Markise am Auto an einem der Metallpfosten hängenbleibt. Der ist oben verrostet und unten nicht richtig einbetoniert und hat jetzt einen ordentlichen Knick. Uups. Das Pflanzenbeet pflügt Christine dann gleich auch noch durch, aber alle bleiben entspannt. Als wir nach drei Tagen weiterziehen, gebe meine breiten 285er Reifen übrigens dem Beet den Rest … SORRY!

Festgefahren

Ich suche mir einen ebenen Platz auf dem Rasen direkt am Strand. Passt. Christine fährt rückwärts auf den Platz und fährt sich erstmal komplett im leicht soften Rasen fest. Dann noch ein bisschen hin und her rangieren, versuchen freizukommen, klappt aber nicht. Der Rasen überlebt das natürlich nicht. Ruhe in Frieden.

Versuch Nummer eins den Hilux rückwärts rauszuziehen klappt soweit, aber er steht völlig schräg, ist nach einer Seite geneigt. Doof fürs Dachzelt, aber weiter kann ich ihn mangels Platz nicht ziehen. Plan B: Ich fahre drumherum und ziehe ihn mit der Front raus. Dabei reißt erstmal der kinetische Bergegurt, blöd.

Also dann doch: Wir nehmen meine Ironman Winde. Funktioniert super … nur das der Hilux sich nicht bewegt und ich meinen Landrover näher an Christines Wagen ziehe. Ist doch ein wenig matschig unter dem Gras. Alle guten Dinge sind drei, jetzt wird „gewinscht“, ich fahre rückwärts, Christine vorwärts. Alles in Low Range und mit Differenzialsperre. Das klappt! Gottseidank. Da fährt man tausende Kilometer durch Afrika und wo bleibt man stecken? Auf dem Campingplatz.

Situationsanalyse durch den Autor dieses Textes: 500 Kilogramm mehr Gewicht machen einiges aus. Wenn dann noch der Reifendruck mit 2,8 Bar massiv zu hoch ist (ich fahre mit 1,8 – 2,0 Bar) versenkt man seine Karre schnell im Schlamm beziehungsweise im soften Untergrund. Kann passieren, es ist ja alles gut gegangen.

Entspannte Tage

Somit können wir nun unser Camp aufbauen, am Strand den Sonnenuntergang genießen und ein Glas Wein trinken … das Leben ist doch ziemlich schön. Drei herrliche sonnige (und faule) Tage gehen ins Land, ist wie Urlaub.

Auf dem Rückweg durch den überdachten Überweg geht dann fast noch einer meiner Außenspiegel drauf. Zurück ist irgendwie schwieriger. Auch Christine muss ordentlich rangieren, aber alles klappt. Wir zahlen unsere Rechnung an ein sehr freundliche Mitarbeiterin … und dann will man auf einmal 30,- Dollar für den leicht verbogenen Metallpfosten haben (der oben verrostet und unten nicht richtig einbetoniert war). No way. Jean, der Manager ist nicht da und geht auch nicht ans Telefon. Letztendlich lassen wir 10,- Dollar da, was mindestens fünf zu viel sind.

Schade, kein schöner Abschied von einem tollen Camp, welches wir sehr genossen haben. Aber gut, weiter geht es Richtung Süden nach Kibuye am Südende des Lake Kivu.

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