Besuch bei den Schimpansen

Südlich von Fort Portal im Westen Ugandas liegen die sogenannten „Crater Lakes“. Gemeinsam mit Colin und Cathy von Asparkofmadness mache ich mich dorthin auf, um ein paar ruhige Tage zu verbringen. Im nahegelegenen Kibale Nationalpark steht für uns auch ein Besuch bei den Schimpansen auf dem Programm.

Das empfohlene Nkuruba Community Camp liegt nur circa 30 Minuten südlich von Fort Portal an einem dieser Kraterseen. Ein paar kleine, einfache Apartments, ausreichend Platz zum Campen, eine schöne Aussicht und jede Menge Affen erwarten uns. Der Platz ist sehr gepflegt, Dusche und Toilette sind okay, könnten aber mal wieder renoviert werden. Das Restaurant ist eher mittelmäßig und hat den Charme einer Kantine der siebziger Jahre. Es gibt also Luft nach oben …

Im Camp gibt es aber schonmal schwarz-weiße, rote und Rotschwanz-Colobusaffen, sowie die frechen Meerkatzen. Und kaum passt man nicht auf – und lässt das Auto offen – schwupp, da hat mir einer der Biester einen Apfel geklaut. Den danebenliegenden Muffin mochte er nicht. Der war staubtrocken. Insgesamt aber lustige Kerlchen, die spannend zu beobachten sind.

Aber eigentlich sind die Schimpansen unsere geplante Hauptattraktion. Im nahegelegenen Kibale Nationalpark ist scheinbar der beste Platz in Uganda, um Schimpansen zu beobachten. Mit 200,- US Dollar auch einer der teuersten. Gut, ist halt so.

Um 07:45 sind wir an der Ranger Station von wo aus das Trekking beginnt. Wir bekommen eine kurze Einweisung auf Englisch, von der nichtmal Colin als gebürtiger Brite alles versteht. Der Kollege Ranger spricht extrem leise, hat einen Mundschutz auf und einen echt schlimmen Akzent. Aber im Großen und Ganzen sind die „Do`s and Don’ts“ klar. In unserer Gruppe sind wir zu fünft, außer uns Dreien noch zwei Amis asiatischer Abstammung. Einer der beiden hat ein Teleobjektiv an seiner Kamera, das dem Hubble-Teleskop in nichts nachsteht. Wahnsinn!

Zusammen mit unserer Rangerin Sarah geht es dann in den Regenwald. Über Pfade und abseits jeglicher Pfade geht es erstmal auf Wanderung. Es ist nicht so, dass man da gemütlich in den Wald spaziert bis zu dem Punkt an dem die Schimpansen sind. Man muss die Biester schon suchen. Und zwar richtig suchen. Der Kibale Nationalpark ist über 750 Quadratkilometer groß und beherbergt in etwa 1.450 Schimpansen. Macht zwei Schimpansen pro Quadratkilometer oder um es plastischer auszudrücken: Auf eine Millionen Quadratmeter gibt es im Schnitt zwei Schimpansen. Ist nicht viel würde ich sagen. Nach circa 90 Minuten daher immer noch keine Affen. Weder Schimpansen noch Colobusaffen oder Paviane. Enttäuschend, ehrlich. Ich stelle mich gerade darauf ein 200,- Dollar für Nichts bezahlt zu haben, da hören wir Geräusche. Die richtigen Geräusche. AFFEN!

Mit uns treffen auch andere kleine Gruppen am Ort des Geschehens ein. Doch der Herr Schimpanse sitzt mit seiner Familie hoch oben auf einem großen Baum. In mindestens 20 Meter Höhe. Da siehste so gut wie nix. Klasse! Nach etwa 30 Minuten scheinen die Schimpansen aber genug von den komischen Humanoiden am Boden zu haben, klettern – einer nach dem anderen – vom Baum herunter und laufen an uns vorbei in den Regenwald. Alles klar, Zeit für eine Fotosession.

Nach einer weiteren halben Stunde haben sich die meisten Schimpansen verkrümelt. Also nichts wie hinterher. Wir folgen den Geräuschen, nach 10 Minuten haben wir die Gruppe gefunden. Aus nur 2-3 Meter Entfernung können wir die Tiere beobachten, ist schon richtig cool! Faszinierend trifft es besser. Man muss aber im Kopf behalten: Wenn ein ausgewachsener Schimpansen schlechte Laune bekommt und Dich angreift, landest Du im günstigsten Fall im Krankenhaus. Im ungünstigsten Fall hast Du hoffentlich Deinen Nachlass geklärt. Es sind eben immer noch wilde – und extrem kräftige – Tiere. Den putzigen Schimpansen, der mit Dir kuschelt oder auf den Arm will, gibt es im Fernsehen. Oder in einer Aufzuchtstation vielleicht.

Nach etwas mehr als vier Stunden sind wir wieder an der Rangerstation. Hat es sich gelohnt? Ja, auf jeden Fall. Klar, man hat keine Garantie die Tiere zu sehen, aber im Kibale Nationalpark doch eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit. Vermutlich ist der Preis daher hier höher. Andere Orte nehmen nur 40-50,- US Dollar. Ob das Erlebnis dort genauso ist? Ich weiß es leider nicht.

Für mich war es ein tolles, lohnenswertes Erlebnis, das ich nur empfehlen kann.

Tipp: Auf jeden Fall bei Aktivitäten dieser Art eine lange Hose anziehen. Man läuft kreuz und quer durch den Wald und nicht nur auf Pfaden. Moskitospray sollte man auch nicht vergessen. Und dann … viel Spaß …

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