Juni 24, 2021

Rhino Ugab Camp und Spitzkoppe

An der Küste ist es mir eindeutig zu kalt. Also ändere ich den Plan und fahre nicht die Skeleton Coast hoch nach Torra Bay. Wäre bestimmt cool gewesen, aber ich kann das ja immer noch mal machen. Also geht es erst zur Spitzkoppe und dann zum Rhino Ugab Camp tief im Damaraland.

Spitzkoppe Camp

Für mich geht es landeinwärts zur Spitzkoppe. Ich lasse allmählich die Küste und die Namib hinter mir, die Temperaturen werden wieder angenehmer, sprich wärmer. Die Landschaft wechselt von karger Geröllwüste zu einer Savannenlandschaft. Rund zwei Stunden und 150 Kilometer später bin ich an der Spitzkoppe. Wiedermal eine beeindruckende Landschaft. Ich checke erstmal für zwei Tage im Spitzkoppe Rest Camp ein, habe ja Zeit. Auch hier nichts los und somit freie Wahl des Platzes. 

Ich suche mir eine Campsite am Ende des Geländes aus, dann habe ich meine Ruhe vor Wochenendbesuchern und Touristen. Es begrüßen mich zwei Dassies, eine Erdhörnchen Art. Die beiden haben keine Scheu vor Menschen, kommen ganz nah ran und denken mein Finger ist etwas essbares. Tut schon weh, wenn die einen in den Finger beißen, mag man nicht meinen. Die beiden freuen sich über die Schale Wasser die ich hinstelle, die restlichen Oliven aus meinem Salat mögen sie nicht, aber Paprika.

Einmal Geschichte bitte.

Am nächsten Morgen wird die Gegend erkundet. Die Felslandschaft ist echtmal beeindruckend. Die Felsen sind nahezu rund poliert, entweder vom Sand oder es gab hier mal Wasser bzw. viel Regen. Die ganze Gegend ist das Gebiet des Volkes der San oder auch Buschmänner genannt. Die San haben hier über Jahrtausende gelebt, zu besichtigen sind noch bis zu 4.000 Jahre alte Felsmalereien. Die Bilder sind mit Ocker und Urin von Dassies (Erdmännchen) gemalt und zeigen Nashörner, Elefanten, Zebras und Jagdszenen. Alle Tiere gibt es allerdings schon lange nicht mehr in der Gegend. Das Nashorn hat eine besondere Bedeutung, den es spürt Wasser besser auf als die meisten anderen Tiere. Dorthin wo das Nashorn auf den Zeichnungen zeigt, ist demnach Wasser zu finden. Das ganze ist also mehr als Kunst, es ist eine Art 4.000 Jahre altes Google Maps für die San. 

Nach drei Stunden Tour reicht‘s mir, sind immerhin 33 Grad Celsius. Also zurück ins Camp, Holz sammeln und chillen. Die abendliche Routine setzt dann wieder ein: Kochen, Lagerfeuer machen, ein wenig schreiben. 

Um den Brandberg ins Rhino Ugab Camp

Nach zwei entspannten Tagen geht es weiter Richtung Brandberg, mein Ziel ist das Rhino Ugab Camp. Erster Stop ist nach rund 90 Kilometer Uis. Die letzten 60 Kilometer bin ich auf Reseve gefahren und rolle nun mit den letzten fünf Litern auf die Engen Tankstelle. Einmal volltanken! Noch Zigaretten kaufen, etwas Bier und die Mobilfunkkarte wieder aufladen, dann kann es losgehen Richtung Nordwesten.

Es geht weiter ins Niemandsland, immer am Fuße des Brandbergmassivs entlang. Die Piste ist angenehm zu fahren, es geht rund 85 Kilometer entlang des Brandenberges in die pure Wildnis. Wiedermal rund 1,5 Stunden Fahrt durch eine unglaubliche Mondlandschaft, in der mir kein Auto begegnet. Es ist wahnsinnig still, außer dem leichten Säuseln des Windes ist kein Geräusch zu hören. Schon verrückt. Leider zu windig für die Drone, wären sicherlich beeindruckende Bilder gewesen.

Offroad mal ganz fies …

Kurz vor dem Camp wird die Piste dann zu einem echten Offroad Track, ziemlich abenteuerlich. Sechs Monate Corona-Lockdown, Regen oder sonstwas haben die „Straße“ irgendwie verwandelt. Eigentlich ist da keine Piste mehr, ab dem Schild „Rhino Ugab Camp“ geradeaus ist Gang raus und vorsichtig rollen angesagt. Alles was größer ist als mein Landrover hat hier keine Chance auf dem engen Trail. Ich bin als Offroad Anfänger mit meinem Landrover gut durchgekommen, aber: Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht. Wenn Dir hier ein Reifen platzt, haste erstmal verkackt. Da kriegste wahrscheinlich nicht mal den Highlift-Jack angesetzt. Gut das ich ziemlich viel Bodenfreiheit habe. Gruß an die Toyota Hilux Fahrer … mit der Standardfederung seid Ihr hier am Arsch ;-).

Das Camp ist cool, schön am Ufer des Ugab River gelegen, der allerdings im Oktober kein Wasser führt. Bißchen windig, nervt beim Kochen, aber vielleicht normal in dieser Jahreszeit. Das Camp ist übrigens kostenfrei, es ist aber angebracht eine Spende für die lokale Community zu erbringen. Es soll außerdem Elefanten und Löwen geben, von beiden sehe ich leider nichts. Wäre auch zu schön gewesen.

Morgens geht’s dann weiter über eine echte Offroad-Piste zum Doros Krater und von dort nach Twyfelfontain. Weiß noch nicht ob ich die Offroad Strecke über den Divorce Pass alleine fahren soll, könnte riskant sein … schauen wir mal. Heißt ja nicht umsonst „Scheidungspass“ und von meinen Reifen möchte ich mich echt nicht scheiden lassen …

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