September 21, 2021

Verloren im Niemandsland – Tag 2

Ich habe im Auto gar nicht so schlecht geschlafen. Kann man mal machen. Da ich früh wach bin, mache ich mich gleich um 07:00h an die erneute Reparatur des Kühlschlauches. Diesmal baue ich den Schlauch aus, was eine ziemliche Fummelei ist, da man an zwei Schraubzwingen richtig scheiße drankommt. Irgendwie geht’s aber dann.

Die Aktion wird belustigt von ein paar Himba Kids beobachtet. Die werden sich auch gefragt haben, was der weiße Mann da macht.

Der Schlauch sieht übel aus. Ich klebe erstmal alles mit Sekundenkleber zusammen. Dann alles schön fest mit elastischem Tape umwickeln, nochmal Panzertape drumherum und dann noch mit Kabelbindern festzurren. Gut wenn man eine mobile Werkstatt dabei hat 😉.

Kurzer Test, der Schlauch ist dicht, da tropft nichts mehr. Also wieder einbauen und ein paar Liter Wasser in den Kühler füllen. Die ganze Aktion hat gut 3,5 Stunden gedauert.

Sieht alles nicht schlecht aus, der Motor springt an. Nochmal Wasser nachfüllen und den letzten Liter Öl in den Motor kippen, dann mache ich mich auf Richtung Otjio. Allerdings versperren mir nach ein paar hundert Metern riesige Felsen den Weg, also umdrehen und Richtung Puros zurückfahren. In dem schwierigen Gelände hält dann der Schlauch keinen Kilometer bevor der Motor komplett überhitzt und das Wasser wie bei einer Fontäne aus dem Kühler spritzt. Mist, so wird das nichts.

Dann lasse ich den Wagen halt erstmal stehen und suche das Himbadorf. Vielleicht spricht dort doch jemand Englisch oder man kann mir irgendwie anders helfen. Blöd ist, ich finde kein Dorf nur einzelne verlassene Hütten. Auf dem Weg zum Auto zurück sehe ich zwei Himbafrauen unter einem Baum sitzen und setze mich erstmal dazu. Leider sprechen die beiden so gut Englisch wie ich Himba. Plan B: Zeichensprache und alles aufmalen. Was auch nicht leicht ist, denn manche Begriffe gibt es in der Sprache der Himba einfach nicht. Begriffe wie Uhrzeit und Entfernung werden einfach anders definiert als in der westlichen Welt.

Aber irgendwie geht’s und ich erfahre, das es nur auseinander gelegene Hütten und kein Dorf gibt. Außerdem verstehe ich, das es in Okandjombo kein Auto gibt, was mich rausziehen kann. Tolle Aussicht. Der Himba von gestern der ein bisschen Englisch sprach ist auch nicht da, warum erfahre ich erst drei Tage später.

Meine Stimmung ist allerdings noch ganz okay, es muss halt eine Lösung geben. Wie die aussehen soll weiß ich auch noch nicht, ich bin aber noch nicht verzweifelt.

Die Himba quatschen in einer Tour und dann verstehe ich das Wort „network“ und man zeigt mit dem Finger nach oben. Schnell ist klar, ich muss auf einen Berg rauf um Mobilfunknetz zu bekommen. Und scheinbar wissen die Himba auch wo. Drei Mädchen machen sich also mit mir auf Richtung „Network“. Zwei ohne Schuhe bei brennend heißem Sand, keiner der drei hat Wasser dabei. Nach ca. vier Stunden und gut acht Kilometer Fußmarsch bei 35 Grad Celsius bin ich am Ende. Ist auch nur noch wenig Wasser für den Rückweg übrig. Ich glaube die drei können das nicht ganz nachvollziehen und geben mir zu verstehen, das wir nur noch über zwei Hügel müssen, aber ich bin definitiv am Ende meiner Kräfte und es geht ja noch vier Stunden zurück. Für die Himba ist das Ganze ein entspannter Nachmittagsspaziergang. Echt krass. Also zurück zum Camp. Kurz vor dem Dorf grasen Esel, die schnappen wir uns und ich kann die letzten beiden Kilometer reiten. Das muss ein Bild für die Götter gewesen sein, leider war es nicht die Situation für Fotos. Und so bin ich nach rund acht Stunden völlig erledigt wieder am Anfang.

Mittlerweile sitzt auch die ganze Sippe an meinem Auto und quatscht. Ein neues Gesicht unter den Himba spricht wieder ein bißchen Englisch, Gottseidank! Es bestätigt sich, das es in Okandjombo kein Auto gibt und man bietet mir an morgen nochmal nach Handyempfang zu suchen, diesmal aber gleich mit Eseln. Der Spaß kostet mich dann N$ 600,- was rund € 35,- sind. Passt, machen wir so. Das es kein Spaß wird, erfahre ich am nächsten Tag.

Die gut gemeinte Einladung ins Dorf zum übernachten schlage ich dankend aus, ich bin einfach zu kaputt. Und so kuschel ich mich wieder ohne Abendessen in meinen Landy …

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