Mai 28, 2024

Oder sind wir wie die Anderen? Oder sind wir alle einfach nur irgendwie anders? Und wie gehen wir damit um? Mit der Andersartigkeit.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Facebook Post entdeckt. Hier wurde ein Beitrag des deutschen Komikers/Kabarettisten Vince Ebert zitiert. Tenor: Früher hatten wir kein Gendern, es war egal, ob der Nachbar schwul war oder nicht und wir haben uns einen Dreck darum geschert, ob Ali aus der Türkei oder Mohammed aus Syrien kam. Die waren einfach da und haben Ihre Jobs gemacht. Und Aales war gut. Ich zitiere den Post mal sinngemäß. Und da habe ich dann gepostet „Ja, war so und war gut. Und ich denke die Mehrzahl aller Deutschen sieht es genauso“. Minuten später herrschte Orkanstärke 10. Rassismus und Diskriminierung von Minderheiten nimmt zu, Minderheiten haben Rechte und das Recht als solche anerkannt zu werden und überhaupt spiele ich das Thema völlig respektlos runter. Belegt unter anderem mit einem Bericht der deutschen Bundesregierung über Diskriminierung. Okay, das habe ich zwar nicht gesagt, aber ich muss ja immer auf sowas antworten. Kann da gar nicht anders. Also zitiere ich aus besagtem Bericht „das die gemeldeten Diskriminierungsfälle in 2022 gegenüber dem Vorjahr um circa 15% zurückgegangen sind“. Ist doch gut, oder? Nee, nicht für meinen Gegenpart. Nach einigem Hin und Her muss ich mir dann anhören, das dies ja die typische Denkweise eines „weißen Mannes ist, der gar keine Ahnung hat, wie Minderheiten sich fühlen“. Da fühlte ich mich dann diskriminiert, schrieb es auch so und erwähnte noch, das ich auf einem Kontinent lebe, auf dem ich die Minderheit bin. Daraufhin werde ich blockiert, der Post wird später gelöscht. Wer fanatisch missionieren will, statt respektvoll Argumente auszutauschen, muss halt zu härteren Mitteln greifen.

Meine Gedanken

Ich habe das für mich mal zum Anlass genommen, um über das Thema Rassismus und Diskriminierung nachzudenken. Wenn wir in Deutschland über Diskriminierung von Ausländern reden, denken wir ja selten an Franzosen. Oder Schweden. Oder Holländer. So! Sind aber Ausländer. Jean-Pierre ist für uns aber kein Ausländer, er ist Franzose. Mohammed wiederum ist Ausländer, kein Syrer. Komisch oder? Und er nimmt uns die Jobs weg oder liegt dem deutschen Staat auf der Tasche. Jetzt ist Mohammed aber Arzt und Jean-Pierre ist arbeitslos. Ändert nix. Rassistisch motivierte Minderheiten nutzen vor allem die sozialen Medien so geschickt, das die Schafherde „Mäh“ macht und dem – irgendwie – zustimmt. Zumindest herrscht eine gewisse meinungsmässige Gleichgültig.

Peter ist schwul, Andrea ist lesbisch, Claus fühlt sich als Claudia … und? Macht doch nichts, kann die doch trotzdem zum Kaffee einladen. Wir machen da echt immer ein Fass auf, wenn es um etwas geht, was nicht der Norm entspricht. Wobei „Norm“ sich ja immer nur aus dem aktuellen gesellschaftlichen und zeitgeschichtlichem Kontext definiert. Kurzum: Das ganze gendern geht mir auf den Sack. Mittlerweile kann man in Deutschland verklagt werden, wenn man eine Stellenanzeige nicht gender-konform formuliert. Irre! Aber wir haben zumindest einen schicken Anglizismus gefunden, um etwas eine Wichtigkeit zu geben, was vor 30 Jahren jedem egal war. Dann fühlt sich eben Claus als Claudia, und? Ist doch sein/ihr Ding. Lasst doch jeden so sein, wie er will.

Ich bin Minderheit

Und bei mir so? In Afrika? Wo ich zur Minderheit gehöre. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen, und diese sagt mir: Hier ist das gar nicht anders. Auch hier gibt es Rassismus und Diskriminierung. Nee, nicht von Weißen wie mir ausgehend, von Schwarzen. Wem`s jetzt aufgrund der Begrifflichkeiten gerade hochkommt: Runterschlucken und durchatmen. Die Menschen hier (in Ostafrika) bezeichnen ihre Hautfarbe als „Black“, daher übernehme ich das.

Ja, ich werde hier komisch angeschaut. Weil ich anders aussehe. Das ist manchmal unangenehm. Hier ruft man mir „Muzungu, Muzungu“ hinterher, was nicht immer freundlich gemeint ist. Der Begriff „Muzungu“ geht auf Dr. David Livingstone zurück und bezeichnet eigentlich einen Fremden, der ohne Ziel und Aufgabe einfach nur durch die Gegend läuft. So haben die Einheimischen damals Dr. Livingstone gesehen. Mittlerweile bezeichnet der Begriff eine fremde Person mit heller Hautfarbe. Ist okay, verwunderlich jedoch das es – zumindest im Kisuaheli – keinen Begriff für eine Person mit dunkler Hautfarbe gibt. Sprachliche Diskriminierung? Vielleicht. Man kann den Begriff „Muzungu“ auch als „Fremder“ oder „Ausländer“ übersetzen. Gleichfalls – Achtung: Parallele – ist ein Nigerianer, eine Xhosa oder ein Kenianer kein Muzungu. Ich aber bin es, da hellhäutig.

Ja, auch hier sind mir nicht alle wohlgesonnen. Geschichtlicher Kontext vermutlich. Man hat Steine nach meinem Auto geschmissen, mich beschimpft und bedroht, ausgeraubt und bestohlen. Auch wenn ich die Sprache nicht verstehe, merke ich doch am Ton, ob etwas freundlich gemeint ist oder nicht. Natürlich ist auch das Diskriminierung, vielleicht schon Rassismus, ist ja auch kein Privileg der weißen Bevölkerung. Und ja, ich würde gerne mit diesen Menschen reden, Ihnen verständlich machen, wer ich bin, weshalb ich hier bin und sie fragen, was sie gegen mich haben. Reden hilft und fördert das Verstehen. Leider sprechen wir meist nicht die selbe Sprache.

One blood. One world!

Doch genau wie in meinem Heimatland, ist es auch hier eine Minderheit, die mich als Weißen nicht willkommen heißt. Anders als in Deutschland, wird das hier nicht durch die sozialen Medien gepusht. Die meisten haben kein Smartphone und daher kein Facebook, Instagram oder was weiß ich. Ich habe wo immer ich auch war, gute, ehrliche und anständige Menschen getroffen. Auf der ganzen Welt. Aber eben auch ein paar Arschlöcher. Doch wenn immer ich Diskriminierung, Ablehnung oder gar Rassismus aufgrund meiner Hautfarbe spüre oder erfahre, dann erinnere ich mich. Erinnere mich an jemanden, einen Einheimischen, den ich an den Sipi Falls in Uganda getroffen habe. Und der mir sagte:

„Wir mögen es nicht jemanden als Muzungu zu bezeichnen. Das ist nicht richtig. Du bist weiß, ich bin schwarz. Aber unter der Haut, da haben wir alle das gleiche Blut mein Bruder. Das zählt!“

Guter Mann! Cheers …

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