September 21, 2021

Komische Frage, oder? Jeder ist irgendwo geboren, lebt und arbeitet irgendwo, hat irgendwo Freunde und Familie. Hat ein Heim, ein Zuhause, eine Heimat. Das ist dann wohl der Platz, wo man hingehört.

Ich habe all das nicht. Nicht mehr. Nein, halt – natürlich habe ich Familie und gute Freunde. Das ist meine Basis und mein Backup-System. Alles andere ist nicht mehr existent, ich habe es aufgegeben. Klingt furchtbar? Zumindest seltsam? Oder beängstigend? Ja, kann sein. Für mich klingt es nach Freiheit, nach Leben. Jetzt wo ich dies schreibe bin ich an dem Ort an den ich mal gehört hatte. Es sollte sich gut anfühlen, endlich wieder „Daheim“. Doch das tut es nicht. Es fühlt sich zumindest nicht so an, wie es sich anfühlen sollte.

„Du musst Dich eingewöhnen“. Ja, dachte ich auch. Ich versuche es, aber es gelingt mir nicht. „Du brauchst mehr Zeit“. Ja, dachte ich auch. Doch je mehr ich darüber nachdachte, einige Monate in der alten Heimat zu verbringen, desto schlimmer ist der Gedanke. Das ist vermutlich unverständlich, den hier in Europa haben wir eigentlich alles was man sich wünschen kann. Europa ist Luxus und Überfluß, ist Demokratie und Frieden, soziale System, Reichtum, Ordnung … und dennoch nicht das, was mich derzeit glücklich macht.

Es ist gleichfalls auch ein Hamsterrad, ein ständiger Kampf um mehr, um besser, um erfolgreicher. Wir sind uns dessen nicht immer bewusst und doch geben wir tagtäglich unser Bestes, ein funktionierendes Rad in der großen Maschine zu sein. Tun wir nicht? Oh doch, tun wir … unbewusst und somit ohne es zu realisieren. Seit gerade mal drei Wochen bin ich wieder Teil dieser Maschinerie und merke schon, wie sie mich beeinflusst.

Wie lange willst Du noch reisen? Kommst Du wieder nach Deutschland? Musst Du nicht mal Geld verdienen? Willst Du das ewig machen? Ich verstehe all diese Fragen, kann Euch darauf jedoch keine Antwort geben. Muss ich eine Antwort parat haben?

Mein Freund Lundi fragt mich, wann ich wieder nach Hause komme. Er meint damit Afrika. Danke, das Du mich vermisst mein Bruder, ich weiß das ich eine Familie in Kapstadt habe. Ich habe zudem eine neue Familie in Pretoria gefunden, doch auch in Deutschland habe ich eine Familie und sehr gute Freunde. Und wenn Heimat nicht ein Ort, sondern ein Gefühl ist, wenn Heimat die Menschen sind, die einem wichtig sind, dann habe ich das große Glück überall Heimat zu erfahren.

Mir fallen drei ganz unterschiedliche Orte ein, in die ich mich sofort verliebt habe. Kapstadt ist einer davon. Mein Freund Lundi hat Recht, wenn ich nach Kapstadt komme, komme ich nach Hause. Und dennoch … ist es wirklich der Ort? Ich glaube es sind die Menschen, Freunde, Leute die ich auf meiner Reise getroffen habe. Es sind die Geschichten, die man erzählt bekommt, die Erfahrungen die man teilt. Es ist dieser Vibe den ich in Afrika mehr spüre als irgendwo anders.

Ob ich nun dort hingehöre? Ich weiß es noch nicht. Ich werde es irgendwann herausfinden. Hoffe ich.

2 Gedanken zu “Wo gehöre ich hin?

  1. Hi, ich glaube Thomas,
    lese mit , berührt von deinen Worten was Heimat bedeuten kann und wie einer sich befreit von den deutschen Zwängen,
    dafür alle Achtung und Gottes reichen Segen, damit es immer so schön bleibt.
    Herzliche Grüße aus Bad Hersfeld
    von der Joshuaoma Inge🙋🏻‍♀️🍀

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