In der heutigen Episode von „Mit dem Landrover durch Afrika“ steht ein besonderes Event an. Zuerst habe ich sozusagen im Geheimen davon gehört. Irgendwer hat es irgendwem erzählt, Kontakte und Koordinaten geteilt, immer mit der dringenden Bitte diese nicht zu veröffentlichen. Und so habe auch ich über Umwege die Information erhalten. Genau zu diesem Ort geht es jetzt.

Mittlerweile – ein paar Wochen später – ist alles nicht mehr so „Top Secret“. Wieso und warum, weiß ich nicht. Vielleicht weil offizielle Stellen das Thema aufgegriffen haben. Vielleicht auch weil Öffentlichkeit Geld verdient, das für dieses Projekt dringend benötigt wird.

Tree climbing lions

Aber erst einmal stehen die „Tree climbing lions“ auf dem Programm. Unser Plan: Erstmal am Rand des Queen Elisabeth Nationalparks entlang fahren und schauen, ob wir etwas entdecken. Falls dies nicht klappt, fahren wir eventuell in den Park und versuchen unser Glück erneut.

Aber erstmal Stopp! Löwen, die auf Bäume klettern? Leoparden machen das, vor allem um Ihre Beute vor Räubern zu schützen. Aber Löwen? Theorie Nummer 1: Die Löwen wollen sich vor Wasser in Sicherheit bringen. Der Nationalpark liegt am Lake Edward, da kann es schon mal Hochwasser geben.
Theorie 2: Die Löwen suchen Schatten. Muss man dazu auf einen Baum klettern? Nein.

Letztendlich weiß niemand so genau, warum die Löwen das tun und vor allem warum nur hier und an einem anderen Ort in Kenia. Es bleibt mysteriös.

Mysteriös ist auch, wo die Löwen sich verstecken. Wir sehen keine, auch die Ranger am Gate können nicht weiterhelfen. Und so entscheiden wir uns den Tag nicht im Park zu verbringen und weiter nach Süden zu fahren. Unser Ziel ist ein Ort am Bwindi Impenetrable Forest an der Grenze zum Kongo. Hier haben wir die einmalige Möglichkeit ein ganz besonderes, seltenes Tier zu beobachten. Nein, es sind nicht Gorillas … es sind Pangoline.

Der Pangolinmann

Am Bwindi Forest betreibt Moses, ein ehemaliger Ranger, ein Rettungsstation für Pangoline. Teils kommen diese aus umliegenden Dörfern, wo sie als eine Art Haustiere gehalten werden, teils werden verletzte Tiere gefunden. Nach einiger Zeit werden die Pangoline dann in den Dschungel an der ugandisch-kongolesischen Grenze in die Freiheit entlassen. Wir haben das große Glück, das gerade zwei der putzigen Schuppentiere dabei sind ihren Weg in die Freiheit zu finden und dürfen die beiden begleiten. Wer mehr erfahren möchte, hier ist ein sehr sehenswertes Video:

Moses` Platz ist nicht wirklich eine Campsite, soll aber mal eine werden. Insofern ist keinerlei Infrastruktur wie fließend Wasser oder Strom oder richtige Toiletten vorhanden. Christine und ich haben alles im Auto was wir brauchen und auch Gavin und Lee, die später eintreffen, sind in Ihrem Iveco Truck komplett unabhängig. Für ein authentisches Busch-Camping Erlebnis gibt es zwei Zelte im Dschungel. Es geht wiedermal nicht um Luxus, sondern um ein authentisches und einmaliges Erlebnis.

Pangoline live

Wir können als erstes die „Fütterung“ der beide Pangoline erleben. Vom Prinzip heißt das, die kleine Kerle werden auf einem Feld freigelassen und stöbern selber nach Ameisen. Putzig, ein Pangolin reitet quasi auf dem Rücken des Anderen. Reine Faulheit vermuten wir. Oder eine Art Mutterinstinkt. Oder nichts von beidem. Es sieht auf jeden Fall lustig aus. Leider sind die Pangoline recht fix und verschwinden schon mal schnell im Gras. Wenig Möglichkeiten für perfekte Fotos. Nach rund einer Stunde geht es wieder nach Hause.

Am späten Nachmittag dann die schlechte Nachricht: Wir können am nächsten Morgen nicht zu viert in den Nationalpark, um die Pangoline freizulassen. Vielleicht nur zwei, vielleicht keiner. Der Oberhäuptling vom Park gestattet es nicht. Es sei denn, wir zahlen $ 40,- pro Person Eintritt. Wir beschließen einfach morgens zum Gate zu fahren und zu schauen, was möglich ist.

Abends sitzen wir noch lange am Lagerfeuer, quatschen. In respektvollem Abstand sitzt Moses` Team … so ein Blödsinn. Also laden wir alle ein mit uns am Feuer zu sitzen. Es wird geredet, gelacht, einige Frauen singen für uns. Wir tauschen Ideen aus, wie man hier eine Campsite aufbauen kann, was dafür wichtig ist, welche Aktivitäten man anbieten kann. Viel Input für die Leute hier, ich hoffe einige Ideen können umgesetzt werden. Ein toller Austausch, alle haben Spaß und so geht es erst nach Mitternacht ins Bett.

In die Freiheit

Der Morgen beginnt trüb und wolkig. Aber mit einer guten Nachricht. Wir können nun doch alle in den Park! Sehr geil. Wir werden herzlich begrüßt, Smalltalk wie üblich. Auch der Boss vom Park begrüßt uns herzlich, man bedankt sich dafür, das wir gekommen sind. Wir bedanken uns sehr herzlich, das wir nun doch die Gelegenheit bekommen. Nach einem kurzen Spaziergang in den Regenwald, entlassen wir die Pangoline in die Freiheit. Zwei von 106 Tieren die in den letzten fünf Jahren gerettet wurden. Die beiden sind ruckzuck aus ihrer Transportkiste raus, verschwinden schnell im Dickicht. Der Kleine wieder auf dem Rücken, des Größeren. Kaum Zeit für eine Fotosession. Man muss aber auch nicht alles mit der Kamera festhalten. Wir waren da, dabei und es war einmalig.

Auch dieser Abend ist wieder dem Brainstorming gewidmet. Welche Aktivitäten kann man anbieten, was kann man noch tun. Ich glaube hier hilft unser Blick von außen sehr, wir merken aber schnell, das es zuviel Input ist. Aber wenn ein paar Dinge hängen bleiben ist es ja ein Anfang. Wir beschließen am nächsten Morgen einen geführten Rundgang durch das Dorf zu machen. Moses hat Verschiedenes organisiert und versichert uns, das sich alle darauf freuen uns zu sehen. Wir sind die erste Gruppe überhaupt, ist so eine Art Testlauf.

Spaziergang durch die Community

Etwas spät gegen 10:00 Uhr machen wir uns auf. Der erste Halt ist ein traditioneller Heiler. Könnte interessant sein, wenn man etwas zum Zeigen und Erklären vorbereitet hätte. Der Heiler ist zudem selber gerade krank. Stellt sich die Frage: Wer heilt den den Heiler? Gut – ist jetzt egal. „Traditioneller Heiler“ kommt auf die Liste von Aktivitäten.

Stop Nummer zwei: Amos, der Kaffee und Kakao anpflanzt. Man merkt schnell, das er viel Fachwissen und Leidenschaft hat, zudem ein gutes Englisch spricht. Touristen könnte man den Herstellungsprozess von Kakao zeigen und sie ihren eigenen Kakao herstellen lassen. Tick, kommt auf die Liste.

Nummer drei: Die Schnapsbrennerei. Man stellt Bananen-Gin her. Auch interessant. Noch interessanter wäre es mit dem Gin zu experimentieren, verschiedene Botanicals auszuprobieren, das Ganze abfüllen und zu verkaufen. Der Gin ist übrigens trinkbar, sehr stark, geht eher Richtung Grappa.

Wir besuchen noch eine Erzmine (uninteressant) und den örtlichen Schmied. Man kann da schon eine Aktivität daraus machen, aktuell ist es ein Streichergebnis auf der Liste. Achso, eine Schule haben wir auch besucht. Alle 560 Schüler reihen sich nach Klasse sortiert auf. „Good morning school“. „Good Morning, Sir“. Cool, probiere ich auch gleich mal – klappt!

Es heißt Bye bye

Nach 2,5 Tagen verlassen Gavin, Lee, Christine und ich unseren Pangolinmann und sein Team. Uns allen steht eine Frage ins Gesicht geschrieben: Macht er was aus unseren Ideen. Und aus unsere Spende für das Projekt „Campsite“. Ganz ehrlich? So richtig glauben wir alle nicht daran, das hier schnell etwas passiert. Und was soll ich sagen …

… wir haben uns gewaltig geirrt! Schon am nächsten Tag erhalten wir Fotos von den Materialien, die für die Toilette und Dusche organisiert wurden: Rohre, Wasserhähne, Duschkopf. Einen weiteren Tag später steht der Turm für den Wassertank, alles ist installiert und die Dusche läuft. WOW, wie cool ist das denn! Ich hoffe die Jungs bleiben weiter am Thema dran. Ich werde die Fortschritte auf jeden Fall weiter verfolgen. Und vielleicht in ein paar Wochen mal vorbeifahren, um zu schauen wie es sich weiterentwickelt hat …

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