Juni 24, 2021

Ich habe mich einigermaßen spontan dazu entschlossen, die sogenannte „Ben 10 Challenge“ zu fahren. Das bedeutet die 10 höchsten Pässe Südafrikas innerhalb von sieben Tagen zu befahren. Der Nachweis wird jeweils durch ein Foto am Gipfel des Passes erbracht. Im Einzelnen sind das folgende Pässe:

  • 01. Bottlenek Pass (2204m)
  • 02. Carlisleshoekspruit Pass(2563m)
  • 03. Volunteershoek Pass (2581m]
  • 04. Naudes Nek Pass (2590m]
  • 05. Lundin’s Nek Pass (2170m)
  • 06. Joubert’s Pass (2234m)
  • 07. Bastervoetpad Pass (2240m]
  • 08. TTT [Tiffindell-Tenahead Traverse] (2720m)
  • 09. Otto du Plessis Pass (2115m)
  • 10. Barkly Pass (2018m)

Eigentlich hatte ich mich schon eine Weile mit der Challenge beschäftigt, mir auf der Webseite https://mountainpassessouthafrica.co.za/find-a-pass/ben10.html Information und Videos angesehen. Aber richtig habe ich mich erst zwei Tage vor Start dafür entschieden und mich entsprechend angemeldet. Kostet ZAR 250,- für sechs Monate, um an alle internen Infos zu kommen, das war es mit wert.

Joubert Pass

Los geht’s am Freitag den 05.02.2021 mit dem Joubert Pass, meinem ersten Pass in der Ben 10 Challenge. Ich starte im Westen in Lady Grey und fahre den kompletten Pass entlang. Mit Pausen für Fotos bin ich nach sieben Kilometern und 45 Minuten oben am Pass. Definitiv ein Offroad Track der Low Range erfordert, aber keine Differenzialsperre. Zwei ziemlich große Felsbrocken auf der Fahrbahn, machen die Straße fast unpassierbar, gerade breit genug für einen 4×4 schleiche ich daran vorbei. Nichts für Anfänger, aber ich habe ja schon einige Strecken hinter mir.

Die weiteren 40 Kilometer den Pass hinunter und durch das Tal sind eine Mischung aus Offroad-Strecke und Dirt-Road. Ist gut zu fahren, teils sehr steil und man muss schon aufpassen. Die Landschaft ist allerdings ein Traum aus grünen Hügeln, Wasserfällen und weiten Ebenen – echt malerisch. Wer von Osten den Pass anfährst kann die tolle Landschaft genießen, hat ein bisschen Offroad-Feeling und man muss ja auch nicht bis zum Pass hochfahren.

Neuer Tag, neues Glück. Morgens um 07:30 geht’s los, ich habe mir heute fünf weitere Pässe vorgenommen. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob ich das schaffe, den die Straßenverhältnisse sind erstmal unbekannt.Jouberts Pass

Lundean`s Nek Pass

Guter Start für den Samstag morgen. Ich fahre den Pass von Süden aus, keine Schwierigkeit soweit, die Passstraße ist eine ganz normale Gravel- und Dirtroad mit einigen Steigungen. Kann man ganz normal mit Allrad und ohne Low-Range fahren. Oben am Pass ein Beweisfotos machen und dann geht’s wieder runter zum nächsten Ziel. Die Strecke ist nicht spektakulär, aber landschaftlich schön.Lundeans Nek Pass
 

Volunteershoek Pass

Auf der R393 Richtung Süden biege ich links ab zum Pass. Nach wenigen hundert Metern wird klar: Das wird kein Spaziergang. Es geht steil nach oben, Low Range ist auf jeden Fall angesagt. Das Üble sind diese bescheuerten Hubbel (Humps) über die man nur drüber schleichen kann so hoch sind die, sonst setzt man ganz brutal auf. Nicht gut. Also langsam fahren und das bei einem Steigungsgrad von 1:5 oder 20%. Auf einer Geröllpiste!
 
Vor mir blockieren zwei Ford Ranger die Straße, einfach überholen ist nicht. Am ersten Wagen rangiere ich vorbei, nachdem wir uns verständigt haben, beim zweiten geht nichts. Anhalten, quatschten, ob ich den Ford abschleppen kann, klar kann ich. Warum die das mit zwei Autos nicht selber hinbekommen ist mir unklar, der zweite steht doch schön lässig weiter oben. Da nun der erste Ford soweit zurücksetzt, das kein Abschleppseil mehr reicht, schaue ich ein bißchen blöd. Bis man mir erklärt, das ich nicht den ersten Wagen bergauf schleppen soll, sondern den zweiten Berg runter. Der hat sich nämlich vom Allerfeinsten auf so nem Hump festgefahren und der zweite Wagen bekommt den da nicht runter gezogen. Gut, Seil befestigen, 15 Sekunden später habe ich den Ranger vom Hump runter. Und da soll noch mal einer mir raten keinen Landrover zu kaufen !!!
 
Die Jungs rollen langsam rückwärts den Hang runter, meine britische Bergziege bekommt die Differenzialsperre verpasst und klettert weiter nach oben. Nach echt üblen weiteren vier Kilometern bin ich oben und sehe das Schild „Glückwunsch, das Schlimmste hast Du hinter Dir“. Ich hab’s leider nicht auf Video, aber das war schon eine harte Nummer, aber richtig!Volunteershoek Pass

Die nächsten 15 Kilometer sind einigermaßen gut zu fahren. Es geht durch eine wirklich atemberaubende Landschaft aus grünen Hügeln und tiefen Schluchten, einfach der Hammer. Zu meiner Linken im Norden die Berggipfel der Drakensberge, dahinter befindet sich schon Lesotho. Der Passabschnitt endet am Tiffindell Ski Resort. Als nächstes steht dieTiffindell-Tenahead-Traverse an. Diesmal hat man das Schild am Anfang (und auch am Ende ) des Trails aufgestellt. Da bin ich doch mal ein Fuchs und mache schnell ein Foto. Geschummelt? Öhmmm …. wie man`s nimmt. Auf jeden Fall erspart es mir 20 Kilometer Offroadstrecke.

Carlislehoekspruit Pass

Der Pass beginnt dort wo der andere aufhört, quasi ein Abwasch. Und da ich schon auf 2.500 Meter bin, ist das erstmal schönes cruisen durch die Bergwelt der Drakensberge. Die Passhöhe kommt, wieder Fotosession und dann geht’s runter. Auf einem Schild steht noch „ACHTUNG: Auf jeden Fall den kleinstmöglichen Gang einlegen“. Ja, geht schon steil runter, kurvig ist es auch, was das blöde Schild soll merke ich dann wenig später. Da habe ich mich dann spontan für den zweiten Gang in Low Range entschieden um die maximale Motorbremskraft zu nutzen. Alter, was ein Gefälle, an einer Stelle habe ich gedacht „Nee, da fährst Du nicht runter“. Waren übrigens rund 45 Grad Gefälle. Und dabei ist die Straße geteert, da es die Hauptzufahrtsstraße zum Skiresort ist. Ist man unten, fährt man durch ein malerisches Tal mit einem kleinen Fluss, den man mehrfach durchqueren muss, auch wieder eine faszinierende Landschaft.

Übrigens typisch Südafrika: Auf dem Schild am Gipfel ist der Name des Passes falsch geschrieben.

Naude`s Nek Pass

Weiter geht’s links ab zum Naude`s Nek. Easy Gravel Road auf dem Weg zum Pass. Dann geht es in eine kleine Talsenke und durch ein Flüsschen, um dann auf der anderen Seite ziemlich steil auf mieser Schotterpiste anzusteigen. Guter Zeitpunkt um meinem britischen Gentleman etwas mehr Drehmoment zu verpassen: Low Range!

Bei Pass Nummer 6 ist man schon entspannter, ist auch keine leichte Strecke und es gibt ein paar üble Steigungen, aber ich komme gut durch. Erwartungsgemäß viele Schlaglöcher und tiefe Furchen vom Wasser quer über die Fahrbahn, aber langsam ist ja das neue schnell und so komme ich oben an. Auf halber Strecke kommt mir übrigens eine Familie im VW Golf entgegen – manche sind echt bekloppt. Das es dem nicht den kompletten Unterboden weggerissen hat ist ein Wunder.

Bastervoetpad Pass

Nach einer regnerischen Nacht, die ich im MacLear Manor verbracht habe, geht es am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein auf zum Pass. Der Pass ist irgendein (Baster) Fußpfad (Voetpad) den früher die Farmer genutzt haben, um Ihr Vieh von Barkly East ins wärmere Ugie zu treiben. Ist dann erwartungsgemäß auch eine Dirt-Road oder anders ausgedrückt: Ein ziemlich mieser Feldweg. Nach wenigen Kilometern sind vor mir zwei große Betonrohre durch die der Fluss fließt. Der Regen hat leider das meiste der darüberführenden Straße weggespült, aber sieht machbar aus. Wäre es auch gewesen, wenn man aufpasst. Ich lande mit dem rechten Hinterreifen schön in einem ca. 70 Zentimeter tiefem Loch. Da ging dann auch mit Differenzialsperre nichts mehr. Also Highlift-Jack raus, Wagen hochbocken und Felsen unter das Rad. Nach 30 Minuten geht’s dann weiter und ich bin eine Erfahrung reicher.
 
Die Strecke ist fast nur Offroad, das meiste fahre ich demnach in Low Gear und somit recht langsam. Irgendwann schwant mir dann das dies heute eine üble Nummer wird: Schlaglöcher, diese riesen Bodenwellen, Matsch und weggespülter Feldweg. Straßenbreite zwei Meter, Landroverbreite zwei Meter. Rechts der Berg, links geht’s entspannte 3-400 Meter runter. Aber ich sehe die Passhöhe schon, sind vielleicht noch zwei Kilometer, da gibt man nicht auf. Hätte ich tun sollen, an einem matschigen Hügel fahre ich mich im Matsch fest.

Komplett festgefahren

Nach ca. 30 Minuten ist mir klar, das ich hier alleine nicht rauskomme. Etwas einen Kilometer bergab bin ich an einer Hütte von Xhosa Farmern vorbeigefahren, Zeit Hilfe zu holen. Ich habe wie immer Glück, keiner spricht richtig Englisch, nur fiesestes Africaans und Xhosa. Da habe ich so ein Deja vu, kommt mir aus Namibia bekannt vor.

Aber die Jungs ziehen die Gummistiefel an und mit vier Xhosa geht’s zur Unglücksstelle. Die Jungs packen richtig an, dennoch haben wir den Landy erst nach sechs Stunden gegen 17:30h wieder frei. Vom Weiterfahren wird mir dringend abgeraten, heißt für mich den Pass wieder runterfahren, Etappenziel nicht geschafft.

Der Spaß hat mich 400 Rand, drei Bier und eine halbe Flasche Cola gekostet, mehr hatte ich auch nicht. Der Highlift-Jack hat die Rettungsaktion nicht überlebt, meine nagelneuen Hammer habe ich am Berg vergessen. Alles in allem verkraftbar. Aus dem Tal schaffe ich es dann nicht mehr raus und übernachte am Straßenrand bei einer Farm von Xhosa. Was ein Tag.

Am nächsten Morgen bin ich früh wach und um kurz vor sieben auf der Piste raus aus dem Tal. Alles ist schlammig, aber der Landrover marschiert auch da durch wie eine Eins. Leider driftet der Fahrer etwas zu weit nach links, die Karre rutscht weg und ich hänge am Abgrund. Nur 15 Meter, aber wenn der Wagen wegrutscht ist das auch blöd. Hier hilft nix mehr, ich rufe die Polizei in Ugie an, kurze Zeit später meldet sich ein Abschleppdienst, der sich auf den Weg macht um mich zu bergen.

Und dann fängt es an zu regnen, dann donnert und blitzt es, dann ist das Gewitter so laut, das ich weiß, es ist genau über mir. Glückwunsch! Wie war das noch? „Buchen sollst Du suchen, vor Eichen soll man weichen.“ Keine Ahnung was das hier für Kackbäume sind, ich stehe auf jeden Fall darunter. In der Erwartungshaltung übrigens, das jeden Moment der Boden noch mehr aufweicht und der Landy den Abhang runter rutscht. Tut er Gottseidank nicht.
 
Dann sind die Jungs da, ziehen mich raus und ab geht’s. Auf einem extrem matschigen Teil drehe ich während der Fahrt dann nochmal um 90 Grad, komme aber aus dem Schlamassel. Der Abschlepper vorne weg, ich hinterher. Volles Programm durch tiefen Matsch und Wasser, jetzt ist es wieder ein richtiger Spaß für große Jungs . In Ugie angekommen holt der Hochdruckreiniger erstmal gut 5 Kilogramm Matsch vom Auto … ganz ehrlich: Ich würde das nochmal fahren, aber mit zwei Autos.

Noch vier Pässe

Ja, der Bastervoetpad Pass war von Süden aus nicht fahrbar. Von Westen soll es leichter und kürzer sein. Barkly Pass ist eine Teerstrasse – kein Problem. Otto-Du-Plessis Pass soll ziemlich krass offroad sein, Bottlenek ist auch nicht gerade eine Autobahn. Laut Wetterbericht ist Regen weiterhin angesagt, kann also wieder tiefen Matsch, weggespülte Piste und schnell fließende Flüsse bedeuten. Mit einem zweiten Fahrzeug würde ich sofort losfahren. Alleine? In eine Gegend in der kein Mensch wohnt oder da lang fährt? Es ärgert mich schon ziemlich, aber ich lasse die Vernunft entscheiden und blase die Mission an dieser Stelle ab. Schade, wäre Nummer 300 derer die es geschafft haben gewesen. Aber: Heute ist nicht aller Tage, ich komm wieder, keine Frage.

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