September 21, 2021

Im Nordosten Namibias direkt an der Grenze zu Botswana liegt der Khaudum Nationalpark. Mein nächstes Ziel auf der Reise.

Der Park soll ziemlich tiefen Sand haben, daher wird empfohlen den Park mit zwei Autos zu befahren falls einer stecken bleibt. Vermutlich wieder übertrieben, in der Central Kalahari in Botswana bin ich auch gut durch den Tiefsand gekommen. Ich lass mich überraschen. Die Locals sind diesmal nicht hilfreich, hier heißt es nur „Deine Entscheidung, ob Du das machen willst“. Danke Freunde!

Um kurz nach neun bin ich am Gate und checke ein. Parkeintritt sind N$ 90,- und die Conservation Fee beträgt N$ 60,-. Zusammen also ca. € 9,-, Locals zahlen etwas weniger. Aufgrund des nochmaligen Hinweises, das es tiefen Sand gibt, lasse ich Luft aus den Reifen und gehe auf 1,2 Bar. Dadurch gewinne ich an Auflagefläche, die Reifen werden quasi breiter und ich komme besser durch den Sand.

Der Park ist rund 120 Kilometer lang, die ersten 50 Kilometer sind Schotterpiste, teils ein wenig felsig, kaum Sand. Auch kaum Tiere. Ein paar Antilopen, Warzenschweine, einzelne Elefanten. Die Route am Flussbett entlang wäre wahrscheinlich besser gewesen als der Hauptweg, den ich fahre. Dann geht es rechts ab, ich nehme die Ostschleife.

Nach wenigen Metern sehe ich rechts eine Elefantenherde im Schlammloch. Ich rolle vorsichtig heran, entdecke auf einmal links die mächtige Leitkuh. Sie beobachtet mich, läuft parallel zu mir. Sie wirkt nervös, daher setze ich ein paar Meter zurück, gebe Ihr Platz zu Ihrer Herde zu gelangen.

Kaum 100 Meter weiter sehe ich links den zweiten Teil der Herde, nochmal ca. 25 Tiere. Diesmal schaut mich ein junger Bulle abwartend an. Er stellt die Ohren auf, reckt sich zu voller Größe, schüttelt dann mit lautem Schnauben seinen Kopf. Er nimmt Geschwindigkeit auf, dummerweise in die falsche Richtung nämlich meine. „Drück aufs Gas Kollege“ will er mir wohl sagen. Mache ich dann auch mal besser. An allen Wasserlöchern sind übrigens überdachte Hochsitze gebaut. Gut zum Beobachten oder um eine kleine Pause einzulegen.

Am Tari Kora Wasserloch geht es nach Norden. Und hier ist er, der miese, tiefe Sand. Das Tolle ist, er wird mich die nächsten 50 Kilometer bis in Khaudum Camp begleiten. Letztendlich lässt es sich gut fahren, geht nur ordentlich auf den Benzinverbrauch. Meine Erfahrung aus Botswana hilft hier das Ganze sehr entspannt anzugehen. Ich weiß, ich bleibe nicht stecken und so ist es dann auch. In Sand fahren ist dann doch eine Sache des Reifendrucks. Mit meinen 1,2 Bar hat das gut funktioniert.

Für große Trucks ist der nördliche Teil des Khaudum Nationalparks übrigens eher nichts. Der Trail ist so breit wie mein Landrover und die Büsche wachsen sehr eng an der Strecke. Die Gegend ist meist dicht mit Büschen und Bäumen bewachsen, Kratzer am Auto sind garantiert.

Generell sieht man die meisten Tiere an den zahlreichen Wasserlöchern und im Marschland. Aufgrund des dichten Bewuchses, ist es verdammt schwer Tiere zu sichten, insbesondere wenn man alleine fährt und sich auf die Strecke konzentrieren muss.

Das ich zweimal pausiere, da sich Öldruck und Öltemperatur dem kritischen Level nähern ist nicht weiter erwähnenswert. Und so komme ich nach ca. sechs Stunden und gefahrenen 135 Kilometern im Camp an. Ich oute mich als Deutscher, zahle aber dann doch den Preis für Einheimische: N$ 440,- (ca. € 27,-). Damit habe ich ganze € 3,- gespart. Immerhin.

Das Camp ist aber ziemlich cool, sehr sauber und gepflegt. Feuerstelle, Dusche mit Warmwasser aus dem Donkey (schon vorgeheizt), Toilette, überdachter Sitzbereich. Und ein super Blick auf die Savannenlandschaft mit einer Herde Elefanten in der Ferne. Besser geht’s nicht. Naja, doch … noch besser wäre es, wenn meine Hecktür aufgehen würde. Hat wohl das Schloss zerrissen. Somit komme ich nicht an mein Kochgeschirr, daher gibt es gegrilltes Hühnchen ohne alles, einen Trinkbecher schnitze ich mir aus einer leeren Wasserflasche. Nervt. Ist aber so, gibt schlimmeres. Zum Beispiel die prophezeiten 60 Kilometer Tiefsand raus aus dem Park …

Am nächsten Morgen geht es dann los, raus aus dem Nationalpark. Ohne Kaffee, weil ich an meine Kochutensilien nicht rankomme. Wir erinnern uns – die Heckklappe geht nicht auf.

Zuerst gibt es Sand, dann tiefen Sand, dann scheiß tiefen Sand. Gut, das es Trails gibt die rechts und links der Hauptstrecke verlaufen. Diese sind etwas befestigter, dafür extrem buckelig. Bedeutet häufig Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Trotz aller Vorsicht setze ich ein paarmal auf. Die Hauptstrecke neben mir ist teils echt übel. Aus Spaß halte ich an, messe die Tiefe der Spurrillen. Fast 50 Zentimeter, da ist selbst mein 285/75 Reifen fast weg. Und mit dem Differenzial hätte ich den Sand schön vor mir hergeschoben. Auf den letzten Kilometern bis zur Hauptstraße muss man dann auf der eigentlichen Strecke fahren und so pflügt der Landy die nächsten 20 Minuten durch tiefen Sand.

Für die 60 Kilometer benötige ich 2:45h. Insgesamt bin ich 203 Kilometer vom Tsumkwe Camp im Süden durch den Khaudum Nationalpark bis zur Hauptstraße im Norden gefahren. Benzinverbrauch ca. 60 Liter – schon ordentlich. Ab jetzt ist aber wieder Teerstraße angesagt. Es geht zum Mobola Camp am Okavango River, wo ich Ralf Wortmann von TwoOnTour und Tanja und Armin Vogelsang von Travelsouthbound treffe …

2 Gedanken zu “Khaudum Nationalpark

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