Juni 24, 2021

Ja, an Tagen wie diesem – und ich meine nicht diesen einen speziellen Tag – nein, es gibt einfach so Tage über die man in keinem Blog liest, nicht auf Facebook oder Instagram. Das sind die Tage an denen alles grau ist, sich der Himmel zuzieht, an denen es einfach nicht kunterbunt-wunderschön ist, wie viele immer denken.

Reisen ist klasse, ehrlich. Aber es ist nicht nur klasse! Manchmal ist es auch richtig scheiße. Das kriegt aber der geneigte Leser nicht mit, den wir posten alle das Schöne, das Abenteuer, fantastische Landschaften, tolle Sonnenuntergänge, wilde Tiere, …

Ich will das auch

„Toll, was Du alles erlebst!“. Den Spruch hat wohl fast jeder, der über einen normalen Urlaub hinaus reist schon mal gehört. Ist es Bewunderung, Respekt oder Neid … ich weiß das nicht und will es auch nicht beurteilen, den es spielt keine Rolle. Nicht ganz so toll wird es dann liebe Bewunderer, wenn man den ganzen Tag bei Regen im Dachzelt sitzt, hofft das der Wind nicht noch stärker wird, um einen herum alles Matsch ist und wetterbedingt das Kochen ausfällt. Dann ist es nass und ungemütlich, es macht einfach keinen Spaß. Ab da beneidet einen niemand mehr schätze ich.

„Und man lernt so viele tolle Menschen kennen“. Ja, auch das. Viele sogar. Ich hätte zum Beispiel gerne das Arschloch kennengelernt, was mir meinen Ersatzreifen geklaut hat. Verzichten hätte ich auf die Bekanntschaft von so „tollen“ Menschen, die eine Notlage ausnutzen und einen richtig abzocken.

Abgesehen von diesen negativen Erfahrungen, ja man lernt tatsächlich viele tolle und interessante Menschen, teils mit unglaublichen Geschichten kennen. Das ist echt toll, es ist bereichernd. Und es ist immer wieder schön zu merken wie hilfsbereit die Menschen hier sind. Aber: Es gibt halt auch die dunkle Seite der Macht.

Wenn man eine Panne im Nirgendwo hat und alleine ist – ziemlich blöd. Reifenwechsel bei 38 Grad Celsius ist uncool, Wagen bei den Temperaturen zwei Stunden lang aus dem Sand freischaufeln auch. Geplatzter Kühlschlauch am Arsch der Welt in irgendeinem Canyon und kein Mobilfunknetz? Da wird es schon ein wenig komisch. Klar, das gehört alles dazu wenn man fremde Länder bereist so wie ich das gerade tue. Und ganz ehrlich: Ich möchte diese Erfahrungen auch nicht missen, denn sie bereichern mich. Aber schön ist natürlich etwas anderes und gebraucht hätte ich es nicht.

An Tagen wie diesen – Erfahrungen hin oder her – ist das reisen einfach nur Mist. Dann denke ich an mein kuscheliges Zuhause in Deutschland, an Dinge die ich daheim zurück gelassen habe, an viel Vergangenes … nur das es ein „Zuhause“ auch nicht mehr gibt. Ist dann der Moment in dem mir emotional die Beine weggegrätscht werden und ich realisiere: Ich lebe und wohne tatsächlich in ’nem ollen Landrover mit Dachzelt. Ist das die Freiheit, die ich gesucht habe? Ich kann’s noch nicht beantworten.

Eine Frage kann ich glaube ich mittlerweile beantworten: Nein, ich bin noch nicht angekommen (Ja Wolfi, Du hast das besser erkannt als ich, Chapeau). Nicht wirklich zumindest. Ich dümpele noch im Nirvana zwischen Tourist und Langzeitreisendem. Oder Overlander. Oder Aussteiger. Nennt es wie Ihr wollt.

Zurück nach Deutschland? Naja, wohin? Ich habe vor Abreise nach Namibia ja mein deutsches Leben quasi platt gemacht, es gibt also kein wirkliches Zurück, nur ein „nach Vorne“. Wäre im übrigen bei der aktuellen Covid-19 Lage in Deutschland eh keine Option für mich.

Gottseidank ist Mama Afrika häufig sehr gnädig und lässt am Morgen wieder die Sonne scheinen und den Himmel blau erstrahlen. Dann verzieht sich der Nebel schwermütiger, dunkler Gedanken wie von Zauberhand. Die schwarzen Wolken weichen, die Sonne geht auf. Es geht weiter durch die unglaublich schöne Landschaft Südafrikas dem nächsten neuen Ziel entgegen. Es wartet unentdecktes Land auf mich, ich bin sehr dankbar, dass ich diese meine Zeit habe und das es mir möglich ist all dies zu erleben … an Tagen wie diesem.

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