Januar 21, 2022

North Luangwa Nationalpark

Bye, bye Kamikonzo Community Camp. Morgens um kurz vor neun machen Joel und ich uns auf die Reise zum North Luangwa Nationalpark. Ziel des Tages ist das Chifunde Community Camp am Luangwe. Von dort soll es dann am nächsten Tag durch den North Luangwa gehen. Die Strecke ist weitestgehend gut zu befahren, offroad, aber nicht weiter schwierig. Was für meinen defekten Stoßdämpfer ziemlich gut ist. Unten auf der Achse sitzt er ja ziemlich fest, aber im Motorraum hat er viel Spiel. Es klingt halt einfach beängstigend. Also ist die Devise des heutigen Tages: Slowly, slowly, slowly.

Negative Erfahrungen

Tiere sind ein wenig Mangelware, die Landschaft ist aber sehr schön. Teilweise habe ich das Gefühl durch einen herbstlichen deutschen Wald zu fahren – nur eben bei 40 Grad Celsius. Wir fahren auch immer wieder durch kleine Siedlungen, Kinder stehen an der Straße, schreien, winken … die meisten betteln, halten die Hand auf. Traurig, wenn 3-4 Jährigen schon das Betteln beigebracht wird. Wir fahren weiter und im Rückspiegel sieht man enttäuschte, meist aber wütende Gesichter. Ich verstehe die Sprache nicht, aber was uns hinterher gerufen wird, klingt nicht immer freundlich. Manche Kinder haben Steine in der Hand, werfen diese aber dann doch nicht hinter uns her – denke ich. Ich sehe und verstehe die Armut der Bevölkerung, aber ich kann die Welt nicht retten, ist halt so.

Kamikonzo Community Camp

Gegen 14 Uhr nach etwas mehr als fünf Stunden Fahrt sind wir am Camp. Auch kein Highlight auf meiner Reise, aber ruhig am Fluss gelegen. Die Begrüßung ist ziemlich gleichgültig, so als würden wir stören – mein erster Eindruck.  Vielleicht ist es auch nur die Sprachbarriere. Der vorhandene Wasserhahn wird dann noch schnell repariert und ein paar Eimer Sand aus dem Fluss darunter gekippt. Sieht netter aus 😉. Die Dusche kriegen die drei Jungs nicht hin. Ist auch extrem schwer rauszufinden warum kein Wasser aus der Plastiktonne in drei Meter Höhe läuft. Wäre aber nicht verstopft versichert man uns. Warum aus der Öffnung kein Wasser kommt, bleibt unseren afrikanischen Freunden ein Rätsel. Scheiß Raketentechnologie sowas aber auch ;-). Der Tag geht für uns dann entspannt bei einem Lagerfeuer zu Ende.

Echt jetzt? Okay …

Wir starten früh in den Tag und sind um 07:30 Uhr an der Pontoon-Fähre über den Luangwa River. Der Standort der Fähre ändert sich immer mal wieder, je nach Wasserstand und Jahreszeit. Eine andere Möglichkeit in den North Luangwa Nationalpark zu kommen gibt es beim aktuellen Wasserstand nicht. Hier heißt es erstmal die Gebühr für den Park abdrücken. 25,- USD pro Person und 15,- USD pro Fahrzeug. Eine Frechheit, wir wollen nur durchfahren und mehr kann man auch garnicht machen. Aber okay, um 40,- US Dollar ärmer geht es dann auf die Pontoon-Fähre. Es geht steil hinab auf die wackelige Fähre, die mit zwei Seilen an Balken am Ufer befestigt ist. Das System “Pontoon” ist simple. Man nehme einen Stahlrahmen, setze diesen auf ein paar Plastikfässer und zimmere Holzbalken obendrauf. Schon ist die Fähre fertig. Der Antrieb erfolgt per Muskelkraft, also am Stahlseil das Ganze über den Fluss ziehen.

Joël “darf” mit seinem Toyota Hilux als erster übersetzen. Nicht ganz leicht die Rampe zu treffen, fast verfehlt er die Fähre, die sich natürlich auch noch bewegt. Der Hilux steht schräg auf der Fähre, der Fährmann gestikuliert und winkt. Aber dann passt es. Am anderen Ufer geht es dann rund 20 Meter über einen „Knüppeldamm“, lose Baumstämme die als Fahrbahn dienen. Auch abenteuerlich. 20 Minuten später sind Dank fahrerischer Höchstleistungen des Deutsch-Schweizerischen Teams beide Fahrzeuge auf der anderen Seite. Irgendwie irre, aber wegen so einem Scheiß bin ich Afrika.

800 Höhenmeter

Die Fahrt durch den North Luangwa Nationalpark ist nicht weiter schwierig. Die meist sehr gut zu befahrene Piste hat man sicherheitshalber stellenweise  mit ekeligem Schotter zugeschüttet, der einen komplett durchschüttelt. Die Straße verbessern nennt man das hier. Nach 90 Minuten Fahrt geht es in die Berge. Die Landschaft ist schön, nicht der Hammer, aber schon cool. Immer mal wieder hat man weite Blicke über das Tal. Und: Es ist Afrika wie man es sich auf einem Bild vorstellt, eine rote Sandpiste gesäumt von grünen Bäumen und Sträuchern, teils Savannengras. Wie gemalt. Wir müssen das sogenannte Escarpement hoch – eine geologische Verwerfung, die sich von Äthiopien bis nach Sambia quer über den Kontinent zieht – , überwinden ca. 800 Höhenmeter, was drei lange und steile Anstiege bedeutet. Aber es läuft und nach 3:15 Stunden sind wir durch den Park durch und haben noch knapp zwei Stunden Fahrt bis Mpika vor uns.

Erster Stopp: Mechaniker

Erster Stopp ist Anton`s Workshop. Der wurde als Mechaniker in der iOverlander App sehr empfohlen. Wir besprechen kurz das Problem, machen einen Plan und am nächsten Morgen bin ich um 08:00 Uhr in der Werkstatt. Stoßdämpfer und Federung kommen raus, das komplett zerstörte Lager wird durch ein starkes Stück Metall ersetzt. Drei Stunden später ist das Problem behoben und auch meine gerissene Achsmanschette erstmal geflickt. Hält nicht ewig, aber erstmal besser als nichts. Vielleicht sogar besser als das Originalbauteil. Wir einigen uns auf 1.200,- Kwacha, ca. 60,- Euro. Finde ich für hiesige Verhältnisse nicht ganz günstig, dafür ist es gut gemacht und ging schnell. Und so ist der Landrover am Mittag wieder auf der Straße.

Es geht nach Norden Richtung Kapishya Hot Springs. Ich bin mal gespannt …

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