Juni 24, 2021

Neue Abenteuer: Bergklettering

Heute ist mal etwas körperliche Bewegung angesagt. Wer mich kennt, weiß: Das ist so gar nicht mein Ding. Gelegentlich schaffe ich es jedoch den inneren Schweinehund zu überwinden. So ein Tag ist heute, ein Tag für neue Abenteuer.

Es geht in den Table Mountain Nationalpark. Von Constanzia Nek aus Richtung Tafelbergplateau zum De Villiers Dam.

Nach minutiöser und minutenlanger intensiver Vorbereitung schnappe ich mir die Kamera, springe ins Auto und los geht’s … um dann erstmal auf der Kloof Nek Road in Kapstadt im Stau zu stehen. Läuft ja gut.

Auf geht`s

Nach kurzer Fahrt bin ich dann aber am Parkplatz am Constanzia Nek und stelle mich der ersten Herausforderung. Die ersten 400 Meter geht es steil nach oben. Rechts und links erspähe ich gefährliches, einheimisches Getier: Toyotas, Nissans und Hyundais. Da gehe ich kein Risiko ein, spare Kräfte und schlängele mich – statt zu laufen – mit meinem Landrover unbemerkt zwischen ihnen durch bis zur Schranke und einem weiteren kleinen Parkplatz. Puhhh … geschafft, hätte ins Auge gehen können.

Ab hier geht es hoch zum Eagle‘s Nest. Ein wilder Bergpfad, schätze ca. 300 Höhenmeter. Ich bin aber vorbereitet, gehe volles Risiko und wage den Aufstieg ohne zusätzlichen Sauerstoff. Riskant, aber machbar. Mit mehr als 18,5 Minuten alpiner Bergsteigererfahrung sehe ich mich bestens vorbereitet. Kurzer Check der Ausrüstung und es geht los. Auf einsamen Pfaden geht es steil nach oben, das Ziel immer im Blick verliere ich aber nicht den Mut, bahne mir mit meiner Machete den Weg durch das Dickicht und nach endlosen 20 Minuten ist es dann geschafft. Die erste Etappe des Tages ist erreicht: Eagle‘s Nest. Es belohnt mich ein unglaublicher Blick über die gesamte False Bay und die Cape Flats. Der Himmel ist so klar, das man bis zum Cape Point am Kap der guten Hoffnung sehen kann.

Zum De Villiers Dam

Aber ich will weiter. Kurzerhand entscheide ich mich gegen den kaum sichtbaren steilen Bergpfad mit Klettersteigen und Holzleitern. Zu leicht, keine Herausforderung, Kindergarten sozusagen. Nicht umsonst habe ich mich intensivst minutenlang auf diesen Tag vorbereitet.

Nein, ich wähle die gefährliche Route über eine nur fünf Meter breite Teerstrasse, den sogenannten „Jeep Trail“. In endlosen Serpentinen windet sich der Weg den Berg hinauf. Die afrikanische Sonne brennt mit heißen 20 Grad gnadenlos auf mich herab, eine leichte Brise von vorne erschwert den Aufstieg. Mit diesen Konditionen hatte ich nicht gerechnet, aufgeben ist jedoch keine Option.

Weiter immer weiter setze ich vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Einem Gemsbock gleich erklimme ich Meter um Meter den Berg. Links ragt das gewaltige Massiv steil in die Höhe, rechts täuschen sanfte Hügel ein Gefühl von Sicherheit vor. Meine Sinne sind geschärft, ich bin hoch konzentriert, erkenne die Heimtücke des Berges, seine Unberechenbarkeit. Jetzt hilft mir meine Erfahrung, die perfekte Ausrüstung und eine peinlich genaue Vorbereitung auf diesen einen Tag. Durchhalten, weitergehen, meine Kräfte auf den nächsten Meter konzentrieren, so werde ich den Berg bezwingen.

Hinter jeder Biegung geht es weiter der Hochebene entgegen, unmenschlich steil, erbarmungslos. Dann bin ich an der „Iron Bridge“, nur zwei Meter breit mit Geländer! Todesmutig wage ich auch diese Überquerung. Geschafft!

Schlechtwetterfront

Mittlerweile ist das Wetter umgeschlagen, die Sonne verschwindet hinter Wolken, es sind frostige 18 Grad. Damit ist in den Bergen zu rechnen, wie viele arme Seelen wurden hier wohl schon von den Naturgewalten erwischt? Doch mein Körper spürt die Kälte nicht, ich funktioniere instinktiv, jeder Ablauf tausendmal trainiert, tausendmal durchlebt. Mein purer Überlebenswille lässt mich gegen die Urgewalt des Berges noch ein letztes Mal ankämpfen. Und dann wird das Gelände ebener, die Hochebene ist greifbar nah. Mit meinen letzten Kräften erreiche ich die Anhöhe, gezeichnet von den Strapazen und mit schmerzenden Gliedern. „Diesmal hast Du mich nicht gekriegt“, rufe ich dem Berg entgegen, „diesmal nicht!“.

Es belohnt mich der Ausblick auf die wilde Bergwelt Afrikas, Glücksgefühle durchströmen meinen Körper, geben mir Zuversicht und neue Energie. Noch wenige Meter und ich erreiche den über hundert Jahre alten De Villiers Dam. Zeit für eine Rast bevor ich den Abstieg wage. Demütig Hocke ich mich danieder, gedenke derer die den Aufstieg nicht geschafft haben.

Die rund vier Kilometer zurück zum Ausgangspunkt schaffe ich dann inklusive Fotopausen in rund 45 Minuten. So, und jetzt kann sich der Reinhold Messner aber mal warm anziehen … aber sowas von 🤣🤣🤣

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